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Geschichte Fernsehen
Als Phantast wurde er bezeichnet, bisweilen gar als Spinner. Mit seinen Geschichten hatte er zwar Erfolg, seine Ideen erschienen jedoch unglaubhaft. Die Rede ist vom französische Buchautor Jules Vernes

Seine Geschichte "Paris im 20. Jahrhundert", geschrieben im Jahre 1863, erschien erst 131 Jahre nach der Niederschrift. Das Manuskript hatte man bei Renovationsarbeiten zufälligerweise gefunden. Vernes Verleger Pierre-Jules Hetzel brachte seinerzeit nicht den Mut auf, das Buch zu veröffentlichen. Niemand werde, so seine Meinung, an die Prophezeiungen glauben. Die Ideen seien völlig uninteressant. Wirklich? Jules Vernes zeigte auf, dass es dereinst in Paris unter anderem Schreibautomaten und elektrische Strassenbeleuchtung geben werde. Und schliesslich die "Photografische Telegraphie". Eine Einrichtung, mit dem man beim Telefonieren die Leute am anderen Ende der Leitung auch sehen kann. Die Bilder liessen sich dabei, so seine Vorstellung, auf einer Leinwand projizieren. Ist Jules Vernes der geistige Vater der Fernsehens und der modernen Videoprojektion?

Zweifellos sind Ideen schneller entworfen, als brauchbare Geräte. Mit dieser Erfahrung musste auch der deutsche Ingenieur Paul Gottlieb Nipkow leben. 1884 hinterlegte er beim Patentamt Berlin die Patentschrift über das "Elektrische Teleskop". Sein Gedanke war, mittels einer drehenden Scheibe, die mit spiralförmig angeordneten Bohrungen versehen war, Bilder in Lichtpunkte zu zerlegen. Die dabei entstehenden "Hell-Dunkel-Signale" wurden einem zweiten Gerät, das mit einer Glühlampe und wiederum mit einer gebohrten Scheibe versehen war, zugeführt. Wurde das Licht des "Wiedergabe"-Gerätes an eine weisse Wand gestrahlt, liess sich das ursprüngliche Bild erkennen. Mit seiner Überlegung, Bilder zur Fernübertragung in Lichtpunkte zu zerlegen, ging Paul Nipkow als eigentlicher Vater des Fernsehens in die Geschichte ein.

Bei der praktischen Umsetzung seiner Idee stiess Nipkow jedoch an Grenzen. So sah er lange Zeit keine Möglichkeit, die Drehungen der Scheiben am Sende- und am Empfangsort zuverlässig zu synchronisieren. Erst 40 Jahre später reichte er zur Lösung dieses Problems eine Patentschrift ein. Siemens & Halske erwarben 1930 dieses Patent. Geräte mit der Nipkow-Scheibe fanden bis 1940 bei den ersten Fernsehversuchen in Berlin praktische Anwendung. Zur Ehrung des Erfinders wurde 1934 die erste deutsche TV-Station "Paul Nipkow" genannt.

Bilder aus der Glasröhre

Für die Wiedergabe von Fernsehbildern existierte zur selben Zeit bereits eine alternative Methode: Die kolbenartige Kathodenstrahl-Röhre. Erfinder dieser Röhre war Karl Ferdinand Braun, Professor für Physik an der Universität Strassburg. Bereits 1897 war es ihm mit diesem Konstrukt gelungen, unter Verwendung von Hochspannung Elektronen von einem Pol zum anderen (von der Kathode zur Anode) zu beschleunigen. Braun bemerkte bei seinen Experimenten, dass die in der Röhre "fliegenden" Elektronen helle Lichtpunkte bewirkten, wenn sie auf eine mit floureszierender Farbe bestrichenen Fläche aufprallten. Mit der Veränderung der Hochspannung liess sich zudem die Helligkeit der Lichtpunkte beeinflussen. Karl Ferdinand Braun erkannte ferner, dass sich unter dem Einfluss starker Magnetfelder die Position der Elektronen-Auftreffstellen, und somit die Position Lichtpunkte, beeinflussen liessen. Die Fernsehbildröhre war erfunden. Für die Entwicklung der Kathodenröhre (oft wird sie auch als Braun’sche Röhre bezeichnet), erhielt Karl Ferdinand Braun 1909 den Nobelpreis für Physik, zusammen mit Guglielmo Marconi, dem Erfinder der drahtlosen Signalübertragung. Braun brachte seine Erfindung später in die "Professor Braun Telegrafen GmbH" ein, die Jahre später in "Telefunken AG" umbenannt wurde. Karl Ferdinand Braun starb im April 1918 im Alter von 68 Jahren als Kriegsinternierter in New York.
Durch die Wirren des ersten Weltkriegs geriet die Entwicklung des Fernsehens arg ins Stocken. Erst im Jahre 1928 unternahm Telefunken einen ersten öffentlichen Fernsehversuche. Im selben Jahr experimentierte der Engländer Jahn L. Baird gemeinsam mit der Bell Company mit ersten Farbfernseh-Möglichkeiten. Die British Broadcasting Corporation (BBC) begann 1929 schliesslich mit regelmässigen TV-Versuchsübertragungen.

Das erste Fernsehprogramm der Welt wurde im März 1935 in Berlin lanciert. Jeweils an drei Wochentagen wurden zwischen 20.30 Uhr und 22 Uhr Bildberichte, Ausschnitte von Tonfilmen wie auch Kulturfilme gesendet. Sehen konnte die Bevölkerung diese Sendungen in den öffentlichen "Fernsehstuben". Anlässlich der olympischen Spiele 1936 in Berlin kamen erstmals elektronische Aufnahmekameras zum Einsatz. Mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs wurde die Weiterentwicklung der Fernsehtechnik stark eingedämmt. In England gelang es jedoch Jahn L. Baird im Jahre 1940 farbige Fernsehbilder auf grössere Distanzen zu übertragen.

Drei Stunden TV pro Woche

In der Schweiz begann das Fernsehzeitalter 1953. Die damalige Schweizerische Rundspruchgesellschaft zeigte sich bereit, zusammen mit den PTT-Betrieben Versuchsendungen zu unternehmen. Das erste Studio wurde in Zürich im Bellerive-Haus eingerichtet, die Premiere fand am 20. Juli statt. Vorerst betrug die wöchentliche Sendezeit drei Stunden. Schon wenig später sendete die "Schweizerische Television" bereits an fünf Abenden während einer Stunde. Den TV-Machern stand jedoch nur eine bescheidene technische Ausrüstung zur Verfügung: Drei Kameras und ein Filmabtaster. Das Stadttheater Zürich steuerte das Dekor bei.Doch schon kurz nach den ersten Sendungen begann sich Widerstand gegen das neuen Medium zu regten: "Kein Radiofranken für das Fernsehen", war auf Strassenplakaten und Zeitungsinseraten zu lesen. Die Zeitungsverleger selbst standen dem Fernsehen eher positiv gegenüber.Bereits ein Jahr später, 1954, gründeten verschiedene europäische Rundfunk-Anstalten in Genf die Eurovision. Dies mit dem Ziel, TV-Beiträge über Nationengrenzen hinweg auszutauschen. Das gemeinsame Richtstrahlnetz aller Eurovisionsteilnehmer erstreckte sich schon damals über stolze 6000 Kilometer und verband 44 TV-Sender in acht Ländern. Und das Schweizer Fernsehen steuerte auch gleich die Premierenübertragung bei: Mit der Live-Übertragung des Narzissenfestes in Lausanne am 6. Juni. Wochen später folgten neun Live-Sendungen von der Fussball-Weltmeisterschaft in Bern.Ebenfalls im Jahr 1954 führte das Schweizer Fernsehen Sendegefässe ein, die bis heute beibehalten wurden. Zum Beispiel Gottesdienst-Übertragungen, das "Wort zum Sonntag" (Erstsendung am 12. September) und auch Produktionen aus dem Bundeshaus.

In den nachfolgenden Jahren wurde das Fernsehen in allen drei Landesteilen sowohl im Studio- als auch im Senderbereich kontinuierlich ausgebaut. Unter anderem nahmen die TV-Sender Säntis und La Dòle den Betrieb auf, 1958 folgten Monte Ceneri und San Salvatore. Die Zahl der TV-Empfangskonzessionen betrug rund 100'000.Allmählich wurden in allen Regionen täglich TV-Sendungen ausgestrahlt. In der Deutschen Schweiz blieb jedoch am Dienstag das Fernsehstudio geschlossen; keine Sendungen - fernsehfrei.Dies änderte sich 1964. Nach langwierigen Diskussionen, die rund zehn Jahre gedauert hatten, führte die SRG nach einer Änderung des Sendekonzession durch den Bundesrat die Fernsehwerbung ein. Tägliche "Emissionen" waren somit unabdingbar geworden. Doch für diese zusätzliche Programmaufgabe fehlten den TV-Promotoren das Personal. Anlässlich der Landesausstellung in Lausanne wurden entsprechende Aktionen lanciert. Zum Beispiel: "Wie werde ich Sprecher?".

Farbe kommt in die Fernsehstuben

Während in den Programm- und Verwaltungsgremien bereits heftig über Einfluss, Finanzen und Kompetenzen gestritten wurde, befassten sich die Techniker derweil mit der Einführung des Farbfernsehens. Der deutsche Ingenieur Walter Bruch hatte bereits 1961 seine Entwicklung für das PAL-System ("Phase Alternation Line") abgeschlossen, das die Integration von Farbinformationen in das bestehende Schwarz/Weiss-TV-Bild ermöglichte. Bruchs PAL-System war eine Weiterentwicklung des US-amerikanischen NTSC-Norm. 1966 einigten sich nahezu alle westeuropäischen Länder auf die Einführung des PAL-Farbfernsehens. Mit Ausnahme von Frankreich, welches das eigene SECAM-System weiterverfolgte. Anlässlich der Berliner Funkausstellung startete am 25. August 1967 der damalige deutsche Aussenminister Willy Brand mit einem symbolischen Knopfdruck offiziell das Farbfernsehen in Deutschland. In der Schweiz wurde bereits am 27. April des selben Jahres zu Versuchszwecken Farbfernsehübertragung vom Wettbewerb der "Goldenen Rose von Montreux" über den Sender La Dòle unternommen. Am 15. August bestimmte der Bundesrat offiziell das PAL-System als Farb-TV-Standard für die Schweiz.Der offizielle Farbfernsehbetrieb konnte wegen fehlenden Produktionsmitteln indessen erst am 1. Oktober 1968 gestartet werden. Dies im Rahmen der Live-Sendung "Holiday in Switzerland". Und auch dann strahlten in drei sprachregionalen Stationen pro Woche durchschnittlich nur drei Stunden "in Farbe" - so die jeweilige spezielle Ankündigung einer Farbsendung – aus. Dies änderte sich jedoch schlagartig nach dem Bezug von neuen Studioräumen. In der Deutschschweiz wurde mit der Sendung "Premiere im Studio 1" am 22. September 1973 das neue Fernsehzentrum in Zürich-Seebach offiziell in Betrieb genommen.

Konkurrenz vom Weltall

In dieser Zeit fand das Fernsehen noch in "geschützen Sendegebieten" statt. In der Schweiz waren selbst über Kabel knapp zehn TV-Programme zu empfangen. Wettbewerb und Quotenfieber waren bei den TV-Machern noch unbekannt. In vielen Regionen wuchs jedoch das Gefühl, von den TV-Leuten in Zürich nicht ernst genommen, gar übergangen zu werden. Und so regten sich erste Gedanken zur Lancierung unabhängiger lokaler TV-Versuche. Die erste lokale TV-Sendung der Schweiz ausserhalb des Einflusses der SRG fand 1978 aus Anlass der Feierlichkeiten von 800 Jahre Stadt Luzern statt; Eine einmalige Live-Sendung aus dem Luzerner Rathaus, die ausschliesslich über das Kabelfernsehen in der Region Luzern verbreitet wurde.Bereits 1980 folgten im Rahmen eines Versuches regelmässige Versuchssendungen in den Städten Zug, Wil (SG) und Solothurn. Einige Jahre später nahmen die ersten "Bildschirm-Zeitungen" (vornehmlich in der Zentralschweiz unter dem Begriff RegioText) den Sendebetrieb auf.

Eine erste echte Konkurrenzsituation für die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten Europas entstand Mitte der achtziger Jahre, als internationale Programmproduzenten damit begannen, Sendungen für den direkten Privatempfang via Satellit zu verbreiten. Weil auch die Kabelbetreiber diese Programme auf ihre Netze schalteten, stieg das TV-Angebot innerhalb kurzer Zeit kräftig an. Die Dominanz der nationalen Station begann dahinzuschmelzen.In den neunziger Jahre schossen in der Schweiz aufgrund einer neuen Rechtslage zahlreiche lokale TV-Stationen aus dem Boden. Und einige deutsche Privatsender begannen damit, für die Schweiz spezielle "Werbefenster-Programme" zu öffnen. Nach einer ersten Euphorie ist nun eine gewisse Ernüchterung eingekehrt. Denn das Publikum erhebt Anspruch auf gute Programme und nicht auf zusätzliche Werbung.

Digitaltechnik kommt zögerlich

In zahlreichen Labors rund um die Welt arbeiteten derweilen die Ingenieure an neuen TV-Systemen. Während in Europa vorerst grosses Gewicht auf das 2D-Mac-System, später dann auf Pal-Plus gelegt wurde, experimentierten die Amerikaner und Japaner mit dem hochauflösenden Fernsehen HDTV. Wegen technischen Mängeln wie auch aus finanziellen und technischen Gründen scheiterte das europäische Vorhaben. Auch die Entwicklung des HDTV kam lange Zeit aufgrund eines Normenstreites zwischen Japan und den USA nicht vom Fleck. Dazu kommt, dass sich bei der hochqualitativen HDTV-Technik die bisherige analoge Ausstrahlung als schlechtes Kettenglied erwies. Wohl sind in Japan und den USA inzwischen HDTV-Sender in Betrieb, von einem Durchbruch kann jedoch keine Rede sein. Eine Veränderung dieser Situation könnte die grossflächige Einführung der digitalen Fernsehübertragung über Kabel, Satellit und terrestrische Sender bewirken. Doch auch hier sind die Hoffnungen klein. Zumal die Absicht besteht, mit Hilfe der Digitaltechnik möglichst viele Programme auf schmalen Frequenz-Pfaden zu übertragen. Das datenintensive HDTV würde sich daher als Fremdkörper erweisen.

Die Tendenz beim digitalen Fernsehen weist ohnehin in eine andere Richtung: Auf den Weg zum interaktiven Fernsehen. Das Publikum soll die Möglichkeit erhalten, mittels einfachem Tastendruck auf der Fernbedienung bestimmte Sendungen und Spielfilme von einem zentralen Server direkt auf den heimischen Bildschirm herunterladen zu können. Unabhängig von Tag und Zeit. Ob die Zuschauergemeinde dereinst tatsächlich eigene Programmabläufe kreieren will oder sich wie bisher an der festen Struktur einer Station orientieren möchte, wird sich zeigen.


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